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.// Es war einmal beim Einkaufen

Aktualisiert: 23. Sept. 2019

Einkaufserlebnisse die Erste –

Wenn Singles, mehr einkaufen als Paare


»Ich hätte gerne 25g mageren Schinken. Halt! Machen Sie nochmal die Hälfte davon und hauchdünn bitte, so dass man den Schinken kaum sieht.«

Passiert es Ihnen auch des Öfteren, dass Sie manchmal doppelt soviel Zeit fürs Einkaufen benötigen und es nicht einmal Ihre eigene Schuld ist, weil sie etwa für die ganze Woche einkaufen? Die Einkaufsgewohnheiten haben sich drastisch verschlimmert und es wird Sie überraschen, denn es liegt meistens nicht an Ihnen, weil Sie evtl. desorientierter oder des Alters wegen langsamer geworden sind. Nein! Meist sind es diejenigen, die genau zur gleichen Zeit vor einem stehen und aus jedem herkömmlichen Einkaufsgut eine wissenschaftliche Abhandlung vollziehen bis es einem den Magen umdreht. Schlimmer. Man hat schon ein schlechtes Gewissen, dass man die 1,5 % Fettanteilsmilch anstatt die 3,5%tige gewählt hat. Nun gut, an der Milchvielfalt im Regal sind jetzt die sich auf dem Markt etablierten Neuzugänge Schuld. Muss man dennoch mit Vorsicht und Argusaugen darauf achten, nicht den falschen Tetrapak oder die falsche Flasche zu erwischen.

Kurzum. Notorisch einfach mal allen Anwesenden samt Verkäufern und Kassierern, die schon Schweißperlen auf der Stirn haben, im Geschäft auf den Sack gehen. Und selbst dem jugendlichen Mitdreißiger wie mir, fangen die Nervenmuskeln an zu zucken und man hätte gerne diese Holzstangen parat, mit der früher schlechte Comediens oder Tänzer von der Bühne geholt wurden. Die, mit der runden Halsbiegung. Sieht aus wie ein umgedrehtes vertikal gespiegeltes »J«. Da diesen Menschen jedoch jegliches Wahrnemungsgefühl und Emphatie für Ihre Umwelt und Umgebung zu fehlen scheint, ziehen Sie diese nervenaufreibende Prozedur schmerzlos Einkauf für Einkauf durch. Egal ob die Schlange mittlerweile bist fast zur gegenüberliegenden Straßenlaterne anwächst und die Wartenden Pomambo spielen müssen weil man sich gegenseitig zusammendrückt. Und dann, wenn schon beinahe das kleine Sesambrötchen in die Tüte fällt, geschieht das Unfassbare. Moment!. Die Verkäuferin fängt noch rechtzeitig das kleine Ding mit Ihrer Zange ab. Wo genau kommen denn die Sesamhülsen her? Sind die mit der Hand hergestellt oder industriell? Vielleicht nehme ich doch lieber ein Sojacrossaint und Quinoakekse.

»Tut mir leid, das führen wir nicht«

Der Einkaufsterrorist runzelt die Stirn. Nun legt er erst so richtig los.

Man mag das vielleicht für eine Komödie halten und irgendwie wartet man, dass das

,,Verstehen Sie Spaß-Team“ hereinspaziert, aber leider trifft das nicht ein. Es ist der neue pure Wahnsinn des Einkaufalltags. Warum diese Personen nicht gleich eine Biobäckerei aufsuchen? Nicht doch, da wäre man ja nur einer von vielen unter den Grünen Lebensmittelaktivisten und nur gewöhnlich und könnte nicht aus der Masse hervorstechen. Ich möchte niemanden bewusst beschuldigen, dies zu beabsichtigen, seine Mitmenschen beim Einkaufen zu terrorisieren, aber sie tun es nun mal beinahe täglich. Genügend wird es selbst gar nicht auffallen, was Sie auslösen und den anderen damit antun. Sie schweben eben auf einer Wolke, auf einer anderen Ebene in einem anderen Universum. Tatsächlich halten Sie den ganzen Betrieb auf, kaufen nicht einmal das kleine Sesambrötchen, und haben dann gleich noch die Hälfte der potenziellen Kunden vergrault. Wahnsinn was eine Person alleine anrichten kann und stellen Sie sich vor, es laufen davon ja mehrere im Supermarkt herum. In jedem Ort. In jeder Stadt. Sehr umsatzfördert diese Menschen. Geschätzt ist jeder vierte unter den Kunden prädisziniert dafür anderen mit seiner Anwesenheit Einkaufsqualen zu bereiten.


Einkaufserlebnisse die Zweite – Die Regalblockierer


Wenn Ihnen diese Situation noch nicht vorgekommen ist, kennen Sie sicherlich die Kühltheken- & Regalblockierer im Supermarkt. Ich rede nicht von den vollen Paletten, die die Einkaufsgänge tagsüber versperren, weil die Nachteinräumprigade zu teuer wurde, sondern von den Ingredientsleseliebhaber. Gebückt, kniend oder stehend. Sie blockieren. Die Allergiker, bei denen es gesundheitstechnisch notwendig ist, schließe ich hierbei aus. Die sind aber die ganzen Jahre auch nie wirklich aufgefallen oder waren eine Belastung. Jetzt, werden die eh schon engen Einkaufsgänge noch enger, so dass man riesige Umwege laufen muss, um an eine dumme Kleinigkeit zu gelangen, die sich neben dem Blockierer befindet, kann einem schon etwas Galle aufsteigen. Keiner behauptet einkaufen sei immer entspannend oder macht Spaß, aber dieses aus dem Nichts aufgetauchte Mienenfeld, könnte auch gut eine Vorlage für ein Videogame sein, bei dem man mehrere Levels gestalten kann. Der Endgegner steht dann an der Kasse, der nur 2 Artikel in der Hand hält und man denkt, oh hier bin ich schneller dran, und der dann seinen Jutebeutel aus dem Cordmantel hervorholt und erst einmal in Zeitlupe das Fließband befüllt. Auch hier kann man dann nochmal die fehlenden Informationen aus der Kassiererin herausquetschen, die vorher beim Ingredients lesen nicht schlüssig genug waren und er von einem herkömmlichen Einkäufling gestört wurde. Wie kann jetzt der Einkäufling auch nur an das Regal wollen? Sowas aber auch!. Wie kann er nur im Supermarkt was kaufen wollen? Verkehrte Welt.

Ich wollte tatsächlich nur schnell einen Saft kaufen und dafür nicht 1 Stunde im Supermarkt verbringen. Man muss sich komplett neu organisieren. Am besten grundsätzlich 45-60 Minuten mehr für das Einkaufen einplanen. Vorsichtshalber alle Folgetermine absagen oder gar nicht erst Verabredungen danach treffen. Sie könnten zur Not auch einen ½ Urlaubstag einen Tag vorher bei der Arbeit einreichen, falls Sie morgens schnell für die Mittagspause besorgen wollen. Geschickt wäre auch eine neutrale, immer einsatzbare vorfrankierte Krankmeldung und Ihr Handy parat halten, um sich kurzfristig mit rauer, belegter Stimme beim Chef entschuldigen. Im schlimmsten Fall, können Sie sich ein Schuldeingeständnis vom Verursacher unterschreiben lassen, damit Sie beweisen können, völlig zu unrecht die Zeit vertrödelt zu haben.


Einkaufserlebnisse die Dritte – Podiumsdiskussion am Gemüseregal


Kennen Sie noch Vera am Mittag oder Arabella Kiesbauer? Die Talkrunden Im Fernsehen.

In den Jahren leider drastisch reduziert gibt es sie jetzt wieder in der Neuauflage als Realentertainment bei Rewe, Edeka oder Nah und Gut. Manchmal bei Penny Markt oder an den ungünstigsten Stellen, wo andere Leute vorbeilaufen müssen, um irgendwohin zu gelangen. Herzlich Willkommen bei: ,, Wir diskutieren unser Leben aus und jeder muss daran teilhaben.“ Wir machen unsere Talkrunde überall und wo es uns gefällt und jeder muss es ertragen, ob er möchte und nicht. Bekanntlich bestehen diese Grüppchen aus Zwei oder mehr Personen. Oft in herbstlicher Farbpalette gekleidet, aber nicht zwingend jedes Mal. Es kann auch vorkommen, dass nur eine Person anwesend ist und die andere sich am anderen Ende der Smartphoneleitung hängt. Auch das kann durchaus zu einer Podiumsdiskussion führen. In Zeiten modernster Technik werden ja schließlich auch wichtige Geschäftspartner, Politiker für wichtige Abstimmungen oder Vortragsbeteiligte aus anderen Ländern via Facetime, Skype oder Videotelefonie zugeschaltet. Jedenfalls kommt es einem so vor, als befände man sich als Zuhörer in einem Vortrags – oder Hörsaal. Wozu auch Einkaufen, wenn einem die Obst - und Gemüsetheke das ideale Rednerpult bietet. Hier lässt es sich doch viel besser Sinnloses schwadronieren oder noch besser »Moment Annika, die Kassiererin scheint etwas von mir zu wollen«

Ich schätze mal, bezahlen?

Nachdem ich dann meiner und den 16 anderen Kunden, die tatsächlich geistig mit allen Sinnen einkaufen, ihrer Privatsphäre und dem eigenen Einkaufserlebnis beraubt wurde, wurde mir klar, dass eben an der Obsttheke zukünftig die Podiumsdiskussionsliebhaber lauern werden. Hier kann ich nicht abschalten, hier muss ich schnell die Kurve kratzen und den Laden verlassen. Dabei stolpre ich natürlich über die Smartphonetelefonistin Iris, die nach dem Bezahlen noch an der Schiebetür hängen bleibt. In einem Atemzug so eine Glanzleistung vollbringen, ohne einmal das Smartphone aus der Hand legen zu müssen. Selbst Hindernisse können Iris nicht ablenken. Eine Symbiose aus hoch brisantem Telefontalk und einhändiger Geschicklichkeit. << Es ging darum, das Thomas, Iris Exfreund, jetzt mit der bisexuellen Elvira liiert ist, die wiederum davor mit Ihrem Kommilitonen Anton ein kurzfristiges Techtelmechtel hatte. Thomas lernte sie dann bei einem Dreier mit Anton kennen, weswegen Iris mit Thomas seinem zweifachen Seitensprung und bisexuellen Neigung Schluss machte.

»Hach Annika, unterbricht sie mehrmals, Moment, mir rutsch gerade die Selleriestange aus dem Arm. So jetzt bin ich wieder voll da.«

Man schaut ja diesem Gesprächsspektakel einfach zu, als wäre man ein Eimer. Man wird in sekundenschnelle in das Geschehen mit eingebunden. Wie bei einer Telenovela. Man muss nur eine Folge sehen und man weiß über alle Figuren und deren Irrungen und Wirrungen und Verwandtschaftsgraden Bescheid und kann der Geschichte sofort folgen.

Wie lange es wohl dauert, bis mal jemand Amok läuft, weil er diese penetranten Einkaufsignoranten nicht mehr erträgt? Nichts ahnend, geistig recht gesund, durchdreht Einkaufswägen herumschleudert oder mit Konserven um sich wirft. Ich bin noch recht weit von der Vorstellung entfernt, doch lässt sich oft diese Bereitschaft bei den Mitleidenden in den Gesichtern ablesen. Dass man in die Kühlregale fast hineinkrabbeln muss, um die normalen Lebensmittel zu erhalten, hatte ich schon erwähnt? Und zu allem Übel hat man dann diese Talkrunde im Nacken sitzen.

»Weißt Du, ich habe mir doch letztens eine Suppe gemacht. Ich glaube, ich mache mir wieder eine Suppe.«

»Das ist eine echt gute Idee. Ich sollte mir auch mal eine Suppe machen, ob man hier die nötigen Zutaten findet, was meinst Du?«

Endlich habe ich die Milch aus dem Regal gezogen, um zu Hause festzustellen, dass ich doch wieder die dünne 1,5% haltige Tetrapack Packung erwischt habe. Und welche Art von Suppe es gab, weiß ich immer noch nicht. Ist das ein sich wiederholender, niemals endender Alptraum, oder ist es eine schlechte Angewohnheit, die sich personifiziert hat und sich bald wieder legen wird? Ich denke nicht! Es ist erst der Anfang der Invasion durch die Marsianer.


Einkaufserlebnisse die Vierte – Die Arena ist eröffnet


Der Eine oder andere erinnert sich vielleicht noch an die DDR, wenn uns die Westnachrichten Bilder von den Warteschlangen an den Essensausgabestellen zeigten, bei denen die Ostdeutschen mit nur mit Wertmarken einkaufen gehen durften und auch das Sortiment sehr sperrlich ausgefallen war. Da war eine Banane oder eine Mango im Regal schon ein Highlight aber für jeden gab es etwas zu essen nur eben nicht mit einer übertriebenen Auswahlmöglichkeit, die wir heute in den Supermärkten vorfinden. Heute, wo keiner mehr Zeit hat und nur noch mit ausgefahrenen Ellbogen herumläuft und nur an sein eigenes Wohl denkt, wäre so ein Tante Emma Laden aus der DDR undenklich. Hatte man damals vielleicht sogar noch seinem Nachbarn oder sogar einem Fremden etwas von seiner Ration abgegeben, damit er über die Runden kam, beugt man sich heute eher dem Futterneid und schaut, dass der eigene Einkaufswagen nur für einen selbst bestimmt ist. Egal ob Leute schon in einer langen Warteschlange anstehen, ich bin mir wichtiger. Ich will jetzt sofort drankommen, bevor ich nicht genügend abbekomme. Egal ob die Auslage beim Metzger oder Bäcker fast überläuft, es konnte ja jemand in der Warteschlange stehen und plötzlich alles aufkaufen, da drängel ich mich lieber dreist vor, bevor ich nur noch 3 Lyonersorten anstatt 5 zur Auswahl habe. Oder ein weiteres klassisches Beispiel sind die Buffets in Hotels. Wenn man schon angemotzt wird, weil man es gewagt hat mit seinem leeren Teller links anstatt rechts anzustehen, nur weil man sehen will, was da leckeres angeboten wird, bevor man sich entscheidet sich dafür anzustellen. Die Tische quellen über. Das Essen wird ständig nachgefüllt aber nein, ich könnte ja demjenigen etwas von den 100 Vor- & Nachspeisen etwas wegnehmen. Aber erstmal zurück zu den Wurst- & Brottheken von heute. Sie haben sich sicher schon gewundert, weshalb Supermärkte verstärkt Securities haben. Die Männer und Frauen in schwarzer Uniform und Headset, die beinahe aussehen wie Bodyguards. Jetzt könnte man meinen, oh hier wird sicher viel geklaut aber tatsächlich wurden sie engagiert, um die Ausschreitungen die immer häufiger beim Einkaufen nur Kunden ausgelöst werden zu deeskalieren. Ja Sie haben richtig gehört. Es prügeln sich vermehrt Kunden um Nahrungsmittel, dabei ist weder ein Atomkrieg ausgebrochen, noch eine Hungersnot in Sicht. Eine Katastrophe gab es auch keine und die DDR ist auch nicht zurückgekehrt. Es sind einzig und allein nur der Futterneid und die Ignoranz anderen Menschen gegenüber die Auslöser, dass sich im 21. Jahrhundert, in Deutschland, sich Menschen wegen essen verschlagen. Natürlich ist das traurig und schwer nachvollziehbar und vielleicht würde man das noch eher bei einer sozialen Einrichtung wie Die Tafel vermuten, aber sie müssen sich nur einmal an einem ganz gewöhnlichen Tag beim Metzger oder Bäcker in einem Einkaufszentrum ihres Vertrauens anstellen und sie werden es miterleben, wie weit es mit unserer Gesellschaft gekommen ist. Jetzt würde man vermuten, dass vielleicht eher mal Männer mit ihrem aufbrausendem Temprament über die Ziellinie hinausschießen, doch es sind mittlerweile sogar eher Frauen, die sich darum prügeln, bei wem erster das Schnitzel im Einkaufswagen landet. Natürlich muss man sich nicht alles gefallen lassen, wenn sich jemand dreist von der Seite vordrängelt, aber demjenigen gleich an den Haaren zu ziehen, zu Ohrfeigen und zu schlagen? Bitte. Kann einem Mensch so viel Empathie abhandengekommen sein, dass er selbst nicht merkt, wie armseelisch sein Verhalten ist. Wie viele Menschen auf der Welt existieren, die sich zehn Stunden an so eine gottverdammte blöde Fleischtheke stellen würden, um nur einzige eine Scheibe Wurst abzubekommen. Was passiert den, wenn wirklich mal eine Notsituation bei uns ausbrechen sollte. Dann geht man dann wohl nur noch bewaffnet zur Fleischtheke und holt sich dann gleich selbst das Stück Rindfleisch aus der Auslage und schneidet sich ein Stück ab. Wohlmöglich müssen dann die Metzgereien und Bäckereien aufrüsten und ihre Theken mit Panzerglas und Sichtschutz ausrüsten und man mus dann am Anfang der Schlange eine Nummer ziehen und muss warten, bis sie aufgerufen wird und sich dann die kleine Durchgangsschranke öffnet, die einen dann zu der Sülse und der Mettwurst lässt. Wohl bemerkt wir befinden uns immer noch nicht in einem Krisengebiet und uns wird auch nicht die Tüte im Einkaufswagen sofort herausgeklaut. Und außerdem. Wie peinlich muss es denn noch werden, wenn bei der Polizei in der Anzeige steht, dass man sich wegen Wurst oder Brot blutig geprügelt hat und man deswegen vorbestraft ist. Da sollte man vielleicht mal recht schnell sein Einkaufsverhalten überdenken, denn es werden ja sicher noch Einkäufe folgen und ich wollte nicht im Gefängnis mit Mördern und Vergewaltigern landen, nur weil ich mich mehrmals um eine Wiener oder ein Mettwürstchen geprügelt habe. Und überhaupt. Wegen so etwas unsere Ordnungshüter zu behelligen. Bitte. Leute. Reflektiert euch doch mal bitte mehr selbst. Naja unsere Ordnungshüter müssen ja auch schließlich Anzeigen wegen Gartenzwergen oder Sträuchern nachgehen, die 2cm über das Grundstück des Nachbars herüberwachsen, da passt das schon ganz gut in die Kategorie der Schwachsinnigen Ordnungswidrigkeiten hinein.

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