.// November 2017

Erste & Zweite Novemberwoche


Ich habe fast meine andauernde zweite stabile Woche erreicht. Ich merke trotzdem weiterhin, dass mir stressige Arbeitstage und privater Stress noch ziemlich zusetzen. Mein Kopf schaltet ab und ich kann mich nicht mehr konzentrieren. Ich mache mehrmals die Woche Sport und gönne mir am Tag viele Ruhephasen. Meine innere Unruhe hat sich gebessert und Anfälle & Attacken hatte ich recht wenige. Nur Leichte.

Meine Atemübungen und Achtsamkeitsübungen haben mir schon eine Menge geholfen. Meine Erschöpfung hat sich ins Gegenteil gewandelt. Ich bin jetzt übermotiviert. Alles will aus mir herausplatzen. Kreative Einfälle, schreiben, malen alles will raus.

ZACK.BOOM.POW. Mein Therapeut meinte, zu viel zu tun, sich zu viel ablenken, zu viel gegensteuern wäre auch nicht gut und würde neuen Stress verursachen. Wie man es macht, macht man es verkehrt J Haaach jaaa wie schäh.

Ich weiß nicht, ob es das Mysteriums des Gezwungen Werdens ist, am Wochenende auszuruhen doch fühl ich mich schlapper und schlechter als unter der Woche. Kaum wieder am Montag aufgestanden konnte ich es nicht erwarten in den Tag hineinzugleiten. So viele Ideen sprießen durch meinen Kopf.

Ein regelrechter Energieschub. Leider sind jetzt Muskelzuckungen zu meinen körperlichen Empfindungen hinzugekommen. Ob es Nebenwirkungen von den Antidepressiva sind oder das massive Beanspruchen meiner Muskeln durch den Sport?

Ich weiß es nicht. Ich muss soviel ergründen jeden Tag. Im Januar habe ich einen Termin beim Kardiologen um mich mal durchchecken zu lassen. Es beginnt eine neue Reise durch meinen Körper und Geist. Ich stecke voller Spannung und Erwartung, was sich noch so in mir drin verändern wird.


15. November


Es sind wieder sehr wechselhafte Tage angebrochen. Mehrmals am Tag geht meine Laune auf und ab. Es nervt mich – nervt mich – nervt mich. Ich sehe keine Verbesserung mehr. Der Sprung vom Anfang bis jetzt bleibt aus. Es ist ein tägliches Durchwurschteln. Oft funktioniere ich nur aus Gewohnheit.

Eine irre Slalomfahrt. Ich habe so vieles verändert und trotzdem spielt mein Kopf weiterhin russisches Roulette mit mir. Entweder Gundel oder Tinitus oder das Gefühl zu ersticken.

Wirklich ätzend. Wie lange dauert das bloß noch an? Ich will wieder mein altes Ich zurück. Was will denn meine Psyche noch von mir? Mein Therapeut meinte heute, dass sie mir immer noch etwas mitteilen möchte.

Aber was verdammt noch mal will sie denn noch? Was soll ich noch tun? Was soll ich noch ändern? Es ist zum davonlaufen. Ich habe doch schon allerhand wichtige Punkte in meinem Leben geändert. Der Zusammenbruch war gut und nötig, keine Frage. Er hat mir viele neue Türen und Wege geebnet. Viele Blockaden gelöst, aber sie hört nicht auf.

Sie gibt mir keine Verschnaufpause. Ich möchte meine neu gewonnen Erfahrungen nicht immer mit Angst im Magen erleben müssen. Auch wenn es nur kleine Attacken sind, trotzdem schränkt mich das ein und wirft mich wieder zurück auf Los.


Dritte Novemberwoche 2017


Michael, ein sehr guter Freund von mir, hat mir am Samstag eine riesige Geburtstagsüberraschung gemacht. Er war mit mir im Schwarzwald wandern. Unsere erste gemeinsame Wanderung. Der Auftakt unserer Wandergruppe. Es war himmlisch.

Unbeschreiblich schön. Mystische Pfade überall um uns herum. Völlige Ruhe, viel Grün und sehr nebelig. Ich kann gar nicht sagen, wie gut mir das tat. Wie befreiend es war von allem Übel mal weg zu sein.

In Einklang mit der Natur zu kommen. Und ich bin stolz auf mich, dass ich 6 Stunden Wandern durchgestanden habe. Ich fühle mich draußen im Wald zurzeit am wohlsten.

Im Moment spielen mein Kopf und meine Gedanken wieder verrückt. Es ist zum Haare raufen. Diese negativen Gedankenschübe ängstigen mich. Ich sehe keine Fortschritte mehr. Ich habe bisher schon so viel erreicht. Ich kann ja schlecht alles stehen und liegen lassen und davon laufen. Ich würde aber nichts lieber als das. Schreiend davonlaufen. Mich irgendwo verkriechen und erst wieder herauskommen, wenn ich wieder meine alte Form, meine alten Empfindungen zurück erlangt habe. Ohne Depression.

Ist es dennoch auch eine Zwickmühle in der ich mich befinde, da es gerade auch meine kreativste Zeit ist, die ich durchlebe. Ist das nicht irre? Ich wandle zwischen allem und nirgendwo. Ist das etwa die Reise, die der Therapeut mit dem Schwarzwaldseminarhaus erwähnt hat? Muss ich mich auf diese Weise mit meinen Dämonen auseinandersetzten?

Ist es notwendig während der Reise zwischen Altem und neuem Ego mit Angst umher zu pendeln? Wieso muss ich mich alleine mit meiner Psyche auseinandersetzen? Wieso kann sich keiner bei mir einloggen und mich leiten und unterstützen? Wieso steht keiner hinter mir und fängt mich auf? Warum muss ich alles immer alleine bestreiten?


MENSCH WAS FÜR EINE VERDAMMTE KACKE!!!!


22. November


Gestern war ich zum ersten Mal beim YOGA Kurs. Was für ein fantastisches Gefühl. Zwei Stunden von allem völlig weg sein. Ich dachte nicht, dass das bei mir funktioniert aber tatsächlich hat es bei mir angeschlagen und ich konnte seit langem richtig abschalten. Mich einfach treiben lassen ohne etwas dafür tun zu müssen. Ohne Störung. Ohne Lärm. Ohne zwischenmenschlichen Problemen und Auseinandersetzungen.

Einfach den Anleitungen des Yogalehrers folgen. Mein Körper und mein Geist bewegen sich nach seinem Rhythmus. Ich konnte sogar bei den Baumübungen mein Gleichgewicht halten, bei denen man jeweils sein Gewicht auf eine Beinseite verlagert.

Zwei reine Stunden nur mit meinen Gedanken. Natürlich gingen diese wieder Bergsteigen, doch durch diesen geschützten Raum und meinen Achtsamkeitsübungen und ohne Ablenkung von außen treten immer neuere Sachen in mein Bewusstsein. Wie viele Jahre ich eigentlich mein ICH verdrängt habe. Ich muss neue lernen mich zu positionieren. Wie lange ich mein eigentliches Wesen versteckt habe um das sich eine Kuppel darüber gestülpt hat, die vieles blockiert hat.

Ich weiß nicht mehr, wann das angefangen hat. Vielleicht nach vielen zwischenmenschlichen Enttäuschungen, Begegnungen, Rückschlägen. Ich hatte in meinem Leben immer Einigelungsphasen, die mal kürzer und mal länger andauern nur dieses Mal war sie entschieden zu lange.

So lange, dass sich mein Wesen ganz tief vergraben hat und ich vergessen habe, verlernt habe, wie ich eigentlich bin. Natürlich kommen im Leben immer neue Facetten dazu doch bei mir war es ein Erdrutsch, eine Lawine, die über mich eingebrochen sind.

Im Kern bin ich immer noch Ich. Ich habe keine Persönlichkeitsstörung erlitten, auch wenn es sich am Anfang so angefühlt hat. Offen auf Menschen zu gehen, mich alleine irgendwohin bewegen, neue Menschen kennenlernen, neue Aufmerksamkeit, neue Inspirationen. Mich nicht mehr hinter Gewohntem verstecken und Neues zuzulassen.

Mich neu behaupten. Es fällt mir mal mehr, mal weniger schwer aber ich tue mein Bestes. Es ist halt typisch für mich. Anfänglich ist alles toll alles super und ich pirsche aus mir heraus. Bin redselig und dann gehe ich plötzlich wieder drei Schritte zurück und werde stiller. Früher als Kind nach der Scheidung meiner Eltern fing das an.

Ich dachte ich hätte das nach den vielen Jahren endlich überwunden, doch diesen Knacks werde ich wohl niemals abschütteln können.


23. November


Trotz Ohnmachtsgefühl, Schwindelanfällen, Zittern, Unruhe und Depressionswechsel, mal morgens oder abends den Tag normal zu bestreiten, ohne einfach im Bett liegen zu bleiben, fällt mir sehr schwer. Sich gegen seinen Körper und Geist zu stellen. Sich wie in einer römischen Kampfarena gegenüberstehen. Auch heute ist das wieder der Fall.

Alles war gut nach dem Aufstehen. Ich habe gefrühstückt, meine Omega 3 Fettsären Power Fläschlein genommen und bin zur Arbeit gefahren. Ich habe meine Aufgaben erledigt und Peng kam am Mittag wieder eine Attacke. Momentan zeigen Sie sich schleichender, in anderen Formen, da wird mir nicht so schnell klar, was gleich mit mir passieren wird.

Ich habe sofort meine klassischen Atemübungen gemacht, die ich gelernt habe und mich kurz ruhig auf den flachen Boden gelegt, damit ich meine innere Ruhe wieder herstellen konnte. Ich bin eingeschlafen und eine Stunde später wieder aufgewacht. Ich hasse das, weil dann mein ganzer Kreislauf runterfährt, wenn ich mich nachmittags zum Schlafen hinlegen und ich mich danach immer geräderter fühle, als hätte mich ein LKW überfahren.

Ich hatte vorher nach Symptomen von Asthma im Internet gesucht vielleicht war das der Auslöser. Ich kann einfach keine Aufregungen egal welcher Art vertragen ohne das mein Körper anfängt zu spinnen.

Das darf nicht so bleiben ich möchte kein sensibles Wrack bleiben. Und klassisch passiert es wie so oft donnerstags. Ist es, weil es Mitte der Woche ist und die Tage zuvor zu viel gewesen sind? Aber in dem Schattenhaufen scheint auch Licht hervor. Mir widerfahren lustige, aberwitzige und ganz suspekte Situationen und Personen, die mir, seit ich die Aufmerksamkeitsübungen machen, stärker auffallen.

Mein Organismus ist im Wandel aber all das Neue macht mir Angst. Angst, dass ich mich selbst überhole und sich nichts davon mehr in Gewohnheit umwandelt. Heute so morgen so, dann wieder empfinde ich normal dann überfordert mich wieder alles, dann schaffe ich es über gar nichts nachzudenken.

WILD WILD WEST!!!


Ende November


Am Wochenende war ich bei meinen Eltern und mein Zustand war entspannt. Kein Hoch- und Runterrauschen meiner Gedanken, einfach entspannt. Sonntags machte ich dann einen Spaziergang mit einem Freund und da merkte ich schon beim Autofahren, dass es mich doch noch sehr anstrengt zu fahren. Daheim habe ich abends ein Entspannungsbad genommen, etwas gegessen, mich ins Bett gelesen und gelesen da fing sich schon wieder an eine Attacke aufzubauen.

Ich habe sie mit Atemübungen im Keim ersticken können doch es war nur wieder die Ruhe vor dem Sturm. Kaum saß ich auf der Arbeit vor meinem Computer erwischt mich eine Megaattacke, bei der keine Übung mehr half. Mein herz raste. Meine Welt brach zusammen. Verzweiflung und Hilflosigkeitsgefühle überrannten mich.

Die ganze Woche Arbeit schien wie im Nichts verschollen zu sein. Unnötig. Unnütz. Jetzt muss ich wieder von vorne Anfangen, dabei achte ich täglich auf meine Empfindungen und Symptome. Meine Mutter äußert immer ihre Angst, dass ich mir etwas antuen könnte, doch ich hatte nicht einmal während der ganzen Zeit, den Wunsch oder das Bedürfnis verspürt, mir das Leben zu nehmen.

Es ist eher die Lähmung, die Ahnungslosigkeit das Weshalb und Warum, die mich betrübt. Ich war wieder recht einsam die Woche über gewesen, weil alle meine Freunde beschäftigt waren. In Kombination mit dem tristen, verregneten Wetter gab es dann möglicherweise diesen Rückschlag.

Ich bin weiterhin auf der Arbeit geblieben, auch wenn ich panisch davonlaufen wollte doch ich wollte die Attacke nicht über mich siegen lassen und es war auch keine für mich akzeptable Lösung gewesen. Am Nachmittag bin ich dann früher nach Hause.

Ich habe mein Auto stehen lassen und bin gelaufen. Und gelaufen und gelaufen bis in die Innenstadt hinein. Dieses Mal verspürte ich keine Lärm- oder Lichtüberflutungen. Es ist schwer für mich auseinanderzuhalten, was was auslöst. Ich spürte nur die Unruhe und das Mattsein nach der Attacke. Abwechselnd nahm ich es stärker oder schwächer wahr, je nachdem welches Geschäft ich betrat. So absurd so völlig absurd, dass kann man gar keinem wirklich deutlich machen was in einem vor geht.

Ich hoffe nur, dass ich nicht wirklich demnächst mal zusammenklappe, weil mein Körper den Dauerstress nicht mehr gewachsen ist. Gestern vorm Schlafengehen nahm ich wieder einer Hammerberuhigungstablette – sie hilft aber dann bin ich den darauffolgenden Tag wieder mit Schwindelgefühl und Schwanken gestraft.

Beim Yoga finde ich endlich die langersehnte Ruhe nach dem ich seit letzten Samstag wieder völlig fertig bin. Die Attacken werfen mich weiter zurück. Ich hatte ein gutes Gespräch mit dem Yogalehrer. Er meinte, ich würde noch eine ganze Weile damit zu kämpfen haben. Tolle Aussichten.

Zumindest tat es gut darüber zu reden. Das hilft mir. Viel reden und nichts innerlich verbuddeln. Yoga holt mich jedes Mal runter und ich bin danach müder als nach zwei Stunden Badmintonspielen.

Heute traf ich in der Apotheke, nach dem ich bei Stephan in der Praxis war, eine alte Frau.

Sie schien jeder in Maxdorf zu kennen. Beim Verlassen der Apotheke fragte ich sie ob sie Hilfe bräuchte bei der Treppe. Sie lächelte mich an und sagte nur: »Wenn nicht so, dann anders aber es geht immer man muss nur wollen.« Das fand ich wundervoll und beeindruckend; gerade weil ich diese Woche wieder sehr verzweifelt bin.

Stephans Praktikant hat mich heute betreut. Ich hatte ihn gleich mit meinem Krankheitsbild vertraut gemacht. Der Arme! Er hat sich auf seinem kleinen Zettel Notizen gemacht und sagte: »Man stirbt nicht daran!«

Er hätte das auch schon einmal Nachts vor einer Prüfung gehabt. Ein Mal? Das hat mich sehr beruhigt J Bei mir ist es zur Zeit ein mal pro Tag. Ich fand es nur sehr amüsant heute, weil ich dachte ich hätte Stephans Miniaturausgabe vor mir sitzen.

Stephan kam später dazu und erhöhte dann meine Dosis der Antidepressiva auf 30mg. Oh Gott war die Reaktion danach heftig. Ich nahm die 1 ½ Tabletten gleich beim Bäcker danach zum Frühstück und dann wirkte die Dosis noch während der Autofahrt, lass es 30 oder 45 Minuten später gewesen sein. Mich überkam ein Rauschgefühl, das durch meinen ganzen Körper schoss. Ich, mitten auf der Autobahn. Ich dachte Marco, jetzt ist es vorbei und sah mich schon gegen die Leitblanke fahren.

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