.// September 2017

Anfang September


Die Tabletten haben mich ruhiger gemacht. Leichte bis keine Panikattacken mehr, bei Stresssituationen. Ich merke aber, wie sie sich in meinem Körper aufbauen und eingedämmt werden. Nicht nur bei der Autofahrt, sondern auch bei anderen alltäglichen Dingen. Ein warmes, kribbelndes Wohlgefühl ereilt mich. Das finde ich schon mal sehr positiv. Die Artikel und Lektüren, öffnen mir die Augen und unterstützen mich, beim analysieren und entstauben meines Lebens.

Ich fange mit Atemübungen und Meditation an. Es sind Achtsamkeitsübungen, nicht direkt Meditation. Absolutes Neuland für mich. Bis es nicht gewohnt, etwas völlig im Stillen zu machen und nur auf meinen Körper und meine Atmung zu hören.

Doch man kann in dieser Zeit abschalten. Bin kein Mensch, der einfach zuhause sitz oder an einem Ort und nur in den Raum oder die Umgebung, schaut ohne etwas dabei zu tun. Aber genau das ist, was man lernt. Es stabilisiert meine innere Unruhe. Natürlich funktioniert das nicht gleich auf Anhieb. Es ist aber ein kleines, weiteres Ziel, dass ich mir setze, um mich mit mir auseinander zu setzen. Ich bin immer noch bei meinen Eltern, doch ich merke, mein Wunsch wieder nach Hause zu gehen wächst. Ich brauchte die zwei Monate die Geborgenheit und das Auffangen meiner Familie. Jetzt stärkt sich aber der innere Wille, es wieder zuhause alleine zu schaffen.

Es ist kein Egoismus, dass ich jetzt meine Eltern emotional ausgesaugt habe oder ausgenutzt habe, ganz im Gegenteil. Unsere Beziehung hat sich in der Zeit sogar total verbessert. Wir haben mehr Zeit miteinander verbracht. Mehr Gespräche geführt.

Mehr Familiensinn entwickelt. Das ist leider durch unsere Arbeit und der damaligen Entfernung ihres Wohnortes nicht so möglich gewesen. Familiär hatten wir nur oft die Feiertage und auf der Arbeit stand uns die Ablenkung im Weg. Oft unterhalten wir uns nur zwischen Tür und Angel, weil wieder ein Problem oder Ereignis dazwischen funkt.

Ich bin froh, dass wir eine neue Basis erreicht haben, da mir das Familienleben doch sehr fehlt.


Letzte Septemberwoche


Gestern war es nun endlich soweit. Ich bin wieder mit meinen Koffern nach hause zurück. Das Panikgefühl war verschwunden. Ich kann mich wieder in meiner Wohnung normal aufhalten und atmen. Ich war alleine einkaufen und danach fing ich mit Achtsamkeitsübungen an. Das war sehr entspannend. Alles lief gut. Ich duschte mich vorm zu Bettgehen legte mich in meine Federn und wie der Teufel es will wie ein umgedrehter Schalter, fing wieder eine Attacke an.

Da half nicht mal die starke Beruhigungstablette. Ich kann zwar mittlerweile damit umgehen, aber es bleibt mir nach wie vor ein ungelöstes Rätsel. Wo ich doch im Urlaub und bei meinen Eltern tief und fest schlafen konnte. Mensch, was ist das bloß?

Sehr, sehr nervig das alles hier! Ich bin nun auf die Couch im Wohnzimmer ausgewichen dort funktioniert es komischerweise. Ich hatte kein Schlimmes Erlebnis im Schlafzimmer. Sogar das dunkle Wald Grün an den Wänden empfand ich bisher gemütlicher, als die Farben davor. Okay das Wohnzimmer muss eine andere Wirkung auf mich haben. Also wird mein nächstes kleines Ziel sein, mich wieder zurück in mein Bett zu kämpfen. Das man sich sogar jetzt noch Etappen schaffen kann, die man erreichen muss, obwohl man sich schon in seinem eigenen Umfeld befindet. Irgendwie überrascht mich das aber nicht mehr.

Die Woche danach verlief recht gut, auch wenn ich am Montag bei meiner Rückkehr viele Ängste und Bedenken hatte. Langsam verstehe ich zu begreifen, kann ich eher wahrnehmen, was mich belastet, was mich stresst und Unruhe in mir auslöst und ich kann dem Ganzen gegensteuern.

Ich gönne mir mehr Ruhephasen. Endschleunige meinen Alltag, so wie es mir die Übungshefte für Entschleunigen versuchen zu vermitteln. Mache wieder mehr Sport. Badminton, Schwimmen, Laufen, Wandern.

Habe einen neuen Morgenrhythmus, bei dem ich jetzt einfach mehr Zeit für mich habe, in ruhe Frühstücke, gelassen an den Tag herangehe. Stressfrei in den bevorstehenden Stresstag. Ich frühstücke nie alleine morgens, dass ist wohl einer der größten Veränderungen momentan.

Fast jeden Tag mit Frühstücksei. Mittelweich. Lecker. Spät abends ab 22 Uhr zu essen, habe ich mir abgewöhnt. So wach ich mit Bärenhunger auf und freue mich auf meine Minuten mit meinem Frühstücksei, Grüner Tee oder Kaffee, Toast und mal ein Joghurt. Nicht zu vergessen das Wunderelexir das Omega 3 Fettsäurennahrungsergänzungspowersirup.

Das rast mit extra viel Schmackes durch die Blutbahn und verleiht dem Tag nochmal einen Extraportion Kick. Alle meinen Mahlzeiten spielen sich nur noch in der Küche ab ohne Computer, Fernsehablenkung oder Musik. Vielleicht läuft mal eine Meditation CD. Ein neues Ruheritual, um meine Sinne zu erholen. Im Schlafzimmer kann ich nach wie vor nicht schlafen aber ich taste mich heran. Meine Depressionen sind bisher nicht mehr aufgetaucht.

Überhaupt sind meine kraftlosen Gedanken und Anspannungen verschwunden. Die Attacken sind allerdings wieder stärker geworden. Alles braucht seine Zeit, nicht wahr?

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