.// Die Reise beginnt...

Alles fing plötzlich mit einer Panikattacke an. Mein Therapeut fragt mich immer, warum ich das mit diesem Wort beschreibe oder verbinde – wo ich das gehört hätte?

Später mehr dazu. Jedenfalls wurde mir spät abends auf der Couch auf einmal schwindelig. Mein Herz pochte rasanter, wie ein Presslufthammer und mir blieb die Luft weg. Ich rief den Notarzt, der hereingeschlappt kam und einfach salopp meinte, es wäre nur eine Panikattacke und was er jetzt schon großartig tun solle.

Ich ließ mich bei Stephan, einem meiner besten Freunde, der Allgemeinmediziner ist, gründlich untersuchen und es war wirklich alles in Ordnung. Meine Aufregung linderte sich. Vorsichtshalber reduzierte ich meinen Konsum von Kaffee und Zigaretten.

Zwei Wochen später fing das Ganze wieder an. Ich war gerade zu Bett gegangen, da find mein Herz wieder an Karussell zu fahren und wie wild zu schlagen.

Ein Rausch von Angst und Unruhe raste durch meinen Körper. Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Am nächsten Tag fuhr ich wieder zu Stephan der mich wieder untersuchte und auch dieses Mal nichts Gravierendes feststellen konnte. Das wiederholte sich in den folgenden Tagen. Ich war nur noch unter Angststrom. Zitternd, verzweifelt.

Schlaflosigkeit überkam mich. Mein Kopf schaltete nicht mehr ab. Ich fing an panisch zu werden und innerlich durchzudrehen. Es kamen depressive Schübe dazu.

Zwei Tage blieb ich bei meinem besten Freunden, weil ich nicht allein sein konnte und ich dachte, es wäre nur eine vorrübergehende Angelegenheit, doch es wurde schlimmer und ich musste zu meinen Eltern. Der Zustand hielt an.

Ich nehme zuerst homöopathische Beruhigungstabletten ein, Baldrian oder Lavendel, die leider nur leicht helfen. Ich kann immer noch nicht genau einordnen, was genau der Auslöser ist oder sind.

Ich stehe total neben mir. Ich habe meinen Halt verloren. Täglicher Stimmungswechsel. Immer noch kein zur Ruhe kommen. Immer noch kein fester Schlaf. Es geht soweit, dass ich es mit leichten Antidepressiva versuche. Stephan meint, es wäre nicht schlimm, warum ich immer solche Panik hätte, Tabletten einzunehmen.

Er vergleicht es mit einem Diabetiker, der eben auch Insulin bräuchte, um den Ausgleich im Körper wieder herzustellen und so sein es auch hier. Wir fangen mit leichter Dosierung an, um zu sehen, wie viel ich benötige. Es dauert 2-3 Wochen, bis Sie wirken und den Beipackzettel mit Nebenwirkungen sollte man nicht lesen. Bei meinen Eltern komme ich allmählich zur Ruhe.

In meiner Wohnung und auf der Arbeit, kann ich mich nicht aufhalten. Ich fühle mich von meinem Körper isoliert und entfremdet. Wie ein Beobachter, der außerhalb seiner Körperhülle steht. Nichts kommt mehr an bei mir. Ich habe meine gewohnten Empfindungen verloren. Von jetzt auf nachher, wie ein geistiger Schlaganfall.

Natürlich nehme ich meine Umgebung, meine Familie und meine Freunde wahr, doch auf einer komischen Zwischenebene. Es ist sehr schwer zu beschreiben, doch ich versuche mein Bestmögliches. Es ist, als würde man sich im Traum befinden und sich selbst zuwinken. In der ersten Woche verschlimmern die Tabletten die Depressionen, aber das ist normal. Durchhalten, durchhalten! Ich werde nervöser und ängstlicher. Mein Kopf Kino schaltet sich einfach nicht ab.

Ich lass mich dennoch nicht hängen und versuche, meinen Tagesrhythmus beizubehalten. Stehe morgens früh auf und gestalte den Tag, damit ich nicht in Trägheit und in die Müdigkeitsfalle gerate. Ich spreche mit Allen offen über meine Empfindungen, um mich nicht auszugrenzen und zu verkriechen. Das hilft mir ungemein.

Mein bester Freund, macht sich Sorgen, mich zu verlieren. Ich beruhige ihn, obwohl ich selbst nicht weiß, was gerade mit mir geschieht. Meine Eltern stärken mich. Wir reden viel und lange. Ich versuche in Schwung zu bleiben, um nicht tiefer in das dunkle Loch zu fallen. Es ist nicht schwarz bei mir, es kam nur ein heimtückischer Grauschleier aus dem Nichts angekrochen. Meine Freunde stehen mir bei.

Verbringen viel Zeit mit mir und geben mir Halt. Sie fangen mich auf. Das ist ein tolles Gefühl. Noch nie habe ich Freundschaft so sehr gebraucht und gespürt, wie jetzt! Besser ausgedrückt: Während dieser Zeit, wurde mir erst die Intensität unserer guten, langjährigen Freundschaft bewusst geworden. Janio meldet sich jeden Tag.

Wolfgang beschäftigt mich mit Heimwerkeleien, damit ich nicht vor mich hin vegetiere. So langsam taste ich mich wieder an meinen beruflichen Alltag an. Ich gehe zumindest mit ins Geschäft und versuche in der Umgebung zu Recht zu kommen.

Ich mache leichte, stressfreie Arbeiten, im Schneckentempo doch ich mache Sie und liege nicht desillusioniert und an die Decke starrend im Bett und warte bis der Tag vorbeizieht. In meiner Wohnung kann ich mich nicht lange aufhalten. Ich gehe nur schnell nach der Post und den Pflanzen schauen und packe schnell frische Kleidung ein.

Mein Kleiderschrank wird leerer, die Kommode bei meinen Eltern wird voller. Der Kleiderschrank im Flur muss noch in Beschlag genommen werden. Ich habe neue Ängste entwickelt. Umgebungsängste.

Ich kann auch kein Autofahren. Meine Umhängetasche wird zu meinem neuen, kleinen Haushalt. Ich habe die Tasche für mich zum überleben umorganisiert. Sie wird schwerer.

Meine Schulter schmerzt, doch Sie beinhaltet alles, mir notwendig Erscheinendes. So in etwa, wie im Urlaub wenn man eben nicht sein gewohntes Zuhause bei sich hat und alle Sachen, die man so den Tag über benötigt. Notizbuch, Tagebuch, Zeitschriften, Medikamente, Handcreme, Augentropfen, Allergietabletten, Einkaufstasche.

Ich hätte fast einen Trolley Koffer gebraucht, so kam ich mir vor, doch ich konnte nicht nach Hause und bei meinen Eltern konnte ich mich nicht ausbreiten, als würde ich neu eingezogen sein.

So ist die Tasche mein Bindeglied zwischen den Orten, in denen ich mich bewege. Ob ich nun zur Arbeit gehe, zum Arzt, zu Freunden oder nach Hause. Sie ist zu meinem neuen kleinen Zuhause geworden. Klingt für sie vielleicht merkwürdig, aber in der Tasche war ich drin. Also was mich noch ausmachte um genau zu sein.

Zu meinem Bedauern, kann ich kaum mehr an meinem Computer sitzen und arbeiten, oder lange vor dem Fernseher sitzen und meine Serien oder Filme anschauen. Ich kann mich nicht lange konzentrieren und mir fangen schnell an die Augen zu brennen.

Ich muss mich stark auf die Monitore fixieren und das strengt meine Äugelein massiv an. So suche ich mir andere Ablenkungen. Lese wieder mehr oder fange an bei meinen Eltern zu helfen, das Haus zu putzen.

Es ist nicht leicht. Mein gewohntes Tun, hat sich verflüchtigt. Ich orientiere mich neu und das ist verdammt noch mal sau schwer, im Dschungel der tobenden Körperreaktionen und Gedankenstrudel.

Ich verliere meinen Humor nicht, nur steht er etwas hinten an. Ich spüre leichte Brocken meines alten Ichs, das gibt mir Hoffnung und Kraft. Mein willensstarker, nicht kleinzukriegender Sarkasmus. Meine Berliner Schutzmauer, wie ich ihn gerne nenne.

Ich bin kein feuerspeiender Drache, der nur sarkastisch herumgiftet, aber ich setzte ihn passend ein, wie man es von einem Sternzeichen Skorpion wohl gewohnt ist, um sich eben vor persönlichen Angriffen zu schützen. Meine Psyche greift mich an. Mein Sarkasmus stellt sich auf Position und geht zum angriff über.

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